
Strafzölle sind der Weg, nicht das Ziel
Umfang der Strafzölle überrascht - starke Unsicherheit über die Auswirkungen der Zollpolitik
Trumps Shock-and-Awe Strategie kippt die Stimmung. Die Aufregung an der Wall Street ist gross und niemand will jetzt auf dem falschen Fuss erwischt werden. Da obendrein die Auswirkungen der grossen Vielzahl von Strafzöllen auf die Lieferketten, die Preise und Verfügbarkeit von Waren bisher nicht einmal zu erahnen sind, schiesst die Börse zuerst und stellt dann die wichtigen Fragen im Anschluss.
Die Berechnungsgrundlage für die Strafzölle führte zu viel Spott und Hohn. Im Kern hat die Trump-Administration das Handelsbilanzdefizit mit einem Handelspartner durch deren Export in die USA geteilt, diesen Wert in Prozent gewandelt und durch 2 geteilt, wobei die Untergrenze bei 10 % liegt. Das ist dann der individuelle Strafzoll der USA, der ab dem 09. April gilt. Dieser Strafzoll ist jedoch keine Reaktion auf entsprechend hohe Zölle des Handelspartners auf amerikanische Waren. Vielmehr wird hier der Grad der Einseitigkeit des Handels zwischen den Partnern betrachtet und dann die Höhe der Strafe anhand dessen festgelegt.
Die Grundlage für die Berechnung der Strafzölle ist sehr schwarz-weiß. Details und Grauzonen werden nicht berücksichtigt. Bewusst, denn die Strafzölle sind nicht das Ziel, sondern nur der Weg. Handelsbilanzdefizite mit unterentwickelten Ländern sind beispielsweise häufig anzutreffen. Warum? Weil die unterentwickelten Länder meist nur Güter einfacher Qualität haben, die sie an ein Industrieland wie die USA verkaufen. Für das unterentwickelte Land ist der Handel dann häufig sehr bedeutend. Eine Bedeutung, die sich aus Sicht des Industrielandes nicht ergibt. Auch bieten Industrieländer häufig vorrangig hoch entwickelte Güter von hoher bis sehr hoher Qualität, die die unterentwickelten Länder sich nicht leisten können. Es gibt also keinen Ausgleich. Das ist häufig der Hauptgrund für das Handelsbilanzdefizit.
Strafzölle sind der Weg, nicht das Ziel
Die Trump-Administration zielt natürlich auf die echten Probleme. Die liegen nicht bei kleinen, unterentwickelten Ländern, sondern bei den grossen. Wichtige Handelspartner wie beispielsweise China und Japan exportieren sehr viel in die USA, schotten ihre eigenen Märkte aber weitgehend von Exporten aus den USA ab. Hier haben wir eine bewusste Benachteiligung im Handel miteinander. Benachteiligungen, die häufig nicht nur seit Jahren, sondern seit Jahrzehnten bestehen. Sich dagegen zu sperren, ist selbstverständlich nicht verwerflich, sondern nur fair.
Die Strafzölle haben den einzigen Sinn, die unwilligen Handelspartner an den Verhandlungstisch zu zwingen. Wer bisher umfassend davon profitierte, seine Waren in die USA zu exportieren, während man die eigene Wirtschaft erfolgreich vor der Konkurrenz von aussen geschützt hat, wird im Zweifel nicht freiwillig diese vorteilhafte Position aufgeben. Daher die Shock-and-Awe Strategie der Trump-Administration, die die Strafzölle aus dem Hut zaubert, um eine Verhandlungsmasse zu haben. Denn jetzt kommen die Gesprächspartner von sich aus nach Washington, um das Gespräch über eine Einigung zu suchen, anstatt das die Amerikaner ihnen hinterherlaufen müssen. Ein wichtiger Unterschied des Machtgefüges in den anstehenden Verhandlungen. Eine solche drakonische Vorgehensweise funktioniert natürlich nur, wenn man der Grösste und Stärkste ist. Diesen Luxus haben die Amerikaner, auch wenn sie diese Trümpfe in der Vergangenheit selten so offen und schroff ausgespielt haben. Am Ende bleibt es jedoch dabei: Die Strafzölle sind nicht das Ziel, sondern der Weg. Das Ziel bleibt es, wertschöpfende Produktion aus dem Ausland in die USA zu holen.
Eine konkrete Empfehlung zu dieser Analyse ist den Lesern des Zürcher Finanzbriefes vorbehalten. Den Zürcher Finanzbrief und die zugehörigen Empfehlungen können Sie im Rahmen eines kostenlosen Probe-Abonnements ausgiebig testen.
05.04.2025 - Mikey Fritz
Auf Twitter teilen Auf Facebook teilen
Ihre Bewertung, Kommentar oder Frage an den Redakteur
Haftungsausschluss - Die EMH News AG übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit der Empfehlungen sowie für Produktbeschreibungen, Preisangaben, Druckfehler und technische Änderungen. (Ausführlicher Disclaimer)