
Edelmetall Marktbericht vom 05.04.2025: US-Zölle, Marktreaktionen und spekulative Verkäufe - Warum Gold und Silber deutlich unter Druck geraten sind
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Gold und Silber haben die Woche deutlich schwächer beendet. Der Goldpreis fiel um -1,6 % auf 3.036 US-Dollar, Silber verlor sogar -13,3 % und notiert bei 29,55 US-Dollar. Auch der bisherige Monatsverlauf zeigt eine negative Tendenz: Gold liegt aktuell bei -2,8 %, Silber bei -13,2 %. Nach den Rekordständen Ende März stellt sich nun die Frage: Handelt es sich nur um eine gesunde Korrektur – oder um mehr?
Noch vor wenigen Tagen sorgte Gold (TVC:GOLD) für Schlagzeilen, als es jüngst ein neues Allzeithoch bei über 3.100 US-Dollar pro Feinunze markierte. Die Stimmung unter Anlegern war bullish, getragen von geopolitischen Spannungen, expansiver Geldpolitik und wachsender Nachfrage nach sicheren Anlagen. Doch in den letzten beiden Handelstagen kam es zu einem deutlichen Rückschlag – überraschend und scharf.
Neue US-Zölle bringen geopolitische Bewegung
Ein wesentlicher Auslöser für die Wende war ein Maßnahmenpaket aus Washington: Die US-Regierung kündigte am 2. April neue Importzölle auf Produkte aus der EU, China, der Schweiz und Großbritannien an. Die sogenannte „Reziprozitätsstrategie“, initiiert unter Ex-Präsident Trump, soll die Wettbewerbsbedingungen für amerikanische Exporteure verbessern. Doch statt Unruhe zu schüren, sorgte das klare politische Signal für eine temporäre Beruhigung an den Märkten – und reduzierte damit den zuvor eingepreisten geopolitischen Risikoaufschlag. Für den Goldpreis bedeutete das: weniger Nachfrage nach Sicherheit, mehr Abgabedruck.
Neben der geopolitischen Neubewertung spielten auch technische Faktoren eine Rolle. Der rasante Anstieg in den Wochen zuvor hatte viele spekulative Käufer in den Markt gezogen. Nach dem Erreichen des Rekordhochs nutzten insbesondere institutionelle Investoren die Gelegenheit zur Gewinnmitnahme. Diese Verkäufe verstärkten die Abwärtsbewegung zusätzlich – eine klassische Marktreaktion nach einer Rallye.
Starker US-Dollar belastet zusätzlich
Einen weiteren Dämpfer gab es von der Währungsseite: Der US-Dollar legte gegenüber einem Währungskorb kräftig zu und erreichte ein Mehrmonatshoch. Da Gold weltweit in US-Dollar gehandelt wird, verteuert ein starker Greenback das Edelmetall für internationale Käufer – mit der Folge, dass die Nachfrage von außerhalb der USA nachlässt. Diese Kombination aus geopolitischer Entspannung, spekulativem Überhang und Währungsaufwertung führte schließlich zum kräftigen Rücksetzer im Goldpreis.
Silber fällt noch stärker – industrieller Gegenwind trifft den Markt
Während Gold vor allem unter geopolitischen Neubewertungen und technischen Verkäufen litt, wurde Silber (TVC:SILVER) gleich von mehreren Seiten getroffen. Mit einem Wochenverlust von über 13 % verzeichnete das Metall einen der deutlichsten Rückgänge der letzten Monate. Der Grund: Silber ist nicht nur ein Edelmetall, sondern auch ein wichtiges Industriemetall – und das macht den Kurs besonders anfällig für konjunkturelle Signale.
Rund die Hälfte der weltweiten Silbernachfrage entfällt auf industrielle Anwendungen – etwa in der Elektronik, in der Photovoltaik und zunehmend in der Elektromobilität. Die neu verhängten US-Zölle wecken jedoch Sorgen vor einer globalen Handelsabkühlung. Sollte sich die Industrieproduktion, insbesondere in China, abschwächen, dürfte auch die physische Silbernachfrage zurückgehen. Erste Marktreaktionen deuten genau in diese Richtung – und spiegeln sich im Preis wider.
Auch der Dollar spielt gegen Silber
Wie beim Goldpreis belastete auch hier der starke US-Dollar. Das Mehrmonatshoch des Greenbacks gegenüber anderen Leitwährungen machte Silber für ausländische Käufer teurer und drückte so zusätzlich auf die Nachfrage. Der gleichzeitige Rückgang bei Industrieaussichten, die spekulativen Abflüsse und die Dollarfestigkeit bildeten in Kombination einen regelrechten Sturm, dem sich der Silberpreis kurzfristig nicht entziehen konnte.
Trotz der aktuellen Rücksetzer bleiben die fundamentalen Argumente für beide Edelmetalle bestehen – insbesondere bei Silber, das eine Schlüsselrolle in Zukunftstechnologien wie erneuerbare Energien und Elektromobilität einnimmt. Anleger dürften allerdings vorerst vorsichtiger agieren und technische Marken stärker beachten.
Technische Analyse Gold: Langfristiger Aufwärtstrend intakt
Trotz des aktuellen Monatsrückgangs von -2,8 % bleibt das technische Bild für Gold insgesamt positiv. Der Kurs liegt über dem steigenden 200-Tage-Durchschnitt, was langfristig bullisch zu werten ist. Auf der Oberseite stellt die Zone um 3.168 US-Dollar einen wichtigen Widerstand dar. Unterstützungsbereiche liegen bei 2.583 und langfristig bei 2.277 US-Dollar. Die Trendanalyse zeigt: Übergeordnet bleibt Gold in einem stabilen Aufwärtstrend.
Technische Analyse Silber: Schwäche dominiert das Bild
Silber notiert aktuell bei -13,2 % im Monatsverlauf und handelt unter dem steigenden 200-Tage-Durchschnitt – ein klares Warnsignal. Die wichtige Unterstützung liegt bei 28,73 US-Dollar, das 52-Wochentief bei 26,00 US-Dollar bildet die nächste Absicherung. Widerstand trifft der Kurs bei 34,56 und 34,85 US-Dollar. Die Trendlage ist derzeit eher bärisch, kurzfristige Erholungen könnten begrenzt bleiben.
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05.04.2025 - Andreas Opitz
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