
Frankfurt macht sich Sorgen um Volkswagen
Volkswagen unter Druck - der Produktionsausfall weitet sich konzernweit aus
Die Volkswagen Vorzüge knicken weiter ein. Nach einer tollen Rallye im April und Mai setzte eine deutliche Korrektur ein, die die Marktkapitalisierung bisher um knapp -30 % reduzierte und den Kurs wieder auf das Niveau vom März zurückwarf.
Die Sorgenfalten der Börsianer nehmen zu. Die Volkswagen Vorzüge (DE0007664039) gehören bereits jetzt zu den grössten Verlierern unter den drei deutschen Automobilherstellern. Die Begründung für den stärkeren Abschlag beim Kurs ist so einfach wie logisch:
Volkswagen ist ein Volumenhersteller im unteren bis mittleren Preissegment. Natürlich zählt man Luxusmarken wie Bugatti und Ducati zu seinem Portfolio, die für sich genommen in der Regel sehr profitabel sind. Im Grössenvergleich mit Marken wie Volkswagen, Skoda oder Seat spielen sie jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Die Margen der meisten verkauften Fahrzeuge sind daher knapp kalkuliert, was dem Einkauf grosse Schwierigkeiten bereitet, denn man hat automatisch einen vergleichsweise niedrigeren Spielraum, wie viel Aufschlag man für die gesuchtesten Halbleiter zahlen kann.
Die Premiumhersteller haben keine Probleme, hohe Preise für gefragte Halbleiter zu zahlen. Deren Margen liegen pro Fahrzeug betrachtet deutlich höher, wodurch der Einkauf im Zweifel als sehr guter Kunde gilt, und zu den Ersten gehört, die bedient wird. Denn in Engpasssituationen im globalen Handel interessiert sich kaum jemand für Lieferverpflichtungen, sondern beliefert wird der, der am meisten zahlt.
Volkswagen fehlt der Spielraum im Einkauf
Sobald das „Budget“ des Einkaufs bei Volkswagen ausgeschöpft ist, muss sich der Vorstand entscheiden: Mit Verlust weiter zu produzieren, um beispielsweise Fixkosten zu decken bzw. einen positiven Deckungsbeitrag zu erzielen oder die Produktion auf ein Niveau zu reduzieren, wo man auch die variablen Kosten gedeckt bekommt.
Volkswagen scheint sich für Letzteres entschieden zu haben. So kündigte man in dieser Woche an, dass das Stammwerk Wolfsburg auf Kurzarbeit geht und nur noch an der Montagelinie 3 in einer Schicht (von dreien) gearbeitet wird. Schon in der vergangenen Woche hatte Skoda mitgeteilt, dass man die Produktion im tschechischen Stammwerk Mlada Boleslav und im Werk Kvasiny ab dem 27. September ruhen lassen wird. Bisher ist nur eine Produktionsunterbrechung von einer Woche geplant, aber der Vorstand „fährt auf Sicht“, wie zu hören ist. Skoda ist bis dato davon ausgegangen, dass man in 2021 insgesamt 100.000 Fahrzeuge weniger als geplant produzieren wird.
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23.09.2021 - Mikey Fritz
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