
Überforderung bei Rheinmetall, Carnival gerät unter Druck, auch TUI performt schwach, doch BYD hält seine imposante Rallye am Leben
Das Chaos in der Weltpolitik hinterlässt an der Börse seine Spuren
Im Rekordtempo nagt US-Präsident Donald Trump nicht nur an den Grundwerten der amerikanischen Verfassung. Nebenbei zerlegt er auch noch das transatlantische Bündnis und stellt den einst unerschütterlichen Zusammenhalt der NATO in Frage. Der Kuschelkurs mit Moskau und die daraus resultierenden Implikationen haben in Europa für ein Wachrütteln gesorgt und auch an der Börse herrscht teils große Aufregung.
Ein großer Profiteur des Chaos in der Geopolitik war bis zuletzt Rheinmetall (DE0007030009), wo der Aktienkurs in immer neue Höhen vorpreschte. Nun gab es allerdings erst einmal Verluste zu sehen. Am Donnerstag ging es um 4,6 Prozent bis auf 889,60 Euro abwärts. Damit dürften Gewinnmitnahmen etwas zu tun haben, aber auch längerfristige Überlegungen dämpfen die Euphorie der letzten Tage etwas.
Zwar dürfte niemand ernsthaft daran zweifeln, dass Rheinmetall weiterhin mit Aufträgen überschüttet wird, um die Wehrhaftigkeit von Europa einigermaßen sicherstellen zu können. Allerdings steht ein großes Fragezeichen darüber, wie schnell der Konzern eigentlich liefern kann. Die Expansion ist in vollem Gange, sie wird allerdings Zeit benötigen. Der eine oder andere könnte da befürchten, dass die jüngste Rallye vielleicht etwas zu weit ging und es manche Enttäuschung zu sehen geben könnte. Allerdings lässt sich darüber für den Moment nur spekulieren.
Kein Steuerparadies mehr für Carnival?
Die Trump-Regierung nimmt dieser Tage nicht nur europäische Partner ins Visier. Auch mit Kreuzfahrtveranstaltern scheint man so seine Probleme zu haben. US-Handelsminister Howard Lutnick ließ gegenüber „Fox News“ wissen, dass Steuervergünstigungen im Segment auf den Prüfstand gestellt werden könnten. Dies würde unter anderem Carnival (PA1436583006) hart treffen und die dortigen Gewinne schmälern.
Die Anleger wurden damit auf dem falschen Fuß erwischt und der Aktienkurs knickte gestern um 5,9 Prozent bis auf 23,40 Euro ein. Damit erhält die eindrucksvolle Rallye der Carnival-Aktie einen kleinen Knick, wenngleich noch Zugewinne in Höhe von 73 Prozent im Jahresvergleich zu verzeichnen sind. Sollte die US-Regierung allerdings ernst machen und die Steuerbelastungen erhöhen, so drohen schmalere Bilanzen, was die Laune der Börsianer noch weiter drücken könnte.
TUI sieht kein Land
Den deutschen Reiseveranstalter TUI (DE000TUAG505) würde dies wahrscheinlich weniger hart treffen, doch gute Stimmung kommt angesichts solcher Meldungen auch hier nicht auf. Die Korrektur beim Aktienkurs verlor etwas an Tempo, setzte sich gestern aber dennoch fort. Es ging um 0,4 Prozent auf 6,57 Euro in Richtung Süden. Auf diesem Niveau testen die Bären gerade die womöglich letzten Unterstützungen, nachdem die Kurse allein in den letzten fünf Tagen schon um mehr als neun Prozent nachgaben.
Vor nicht einmal zwei Wochen notierte die TUI-Aktie noch deutlich über 8 Euro und bastelte schon daran, neue Mehr-Jahres-Hochs auf die Beine zu stellen. Doch eine überraschend vorsichtige Prognose trübte die Stimmung an den Märkten schwer und vom einstigen Optimismus ist auf Anlegerseite nicht mehr viel zu spüren. Politik könnte das Geschäft in Zukunft weiter trüben und momentan ist nicht einmal ansatzweise vorhersehbar, für welche Entwicklungen Trump noch sorgen könnte, der sich wie ein Elefant im Porzellanladen der bisherigen Weltordnung verhält.
BYD schwebt über allem
Erstaunlich glimpflich kommt bei alledem bisher China davon, welches Trump in seiner ersten Amtszeit noch als seinen größten Widersacher ausmachte. Aktuell scheint er aber zu sehr damit beschäftigt zu sein, andere Beziehungen zu demontieren und seine offene Bewunderung für Diktatoren und Autokraten lässt manchen Beobachter bessere Beziehungen mit Peking erhoffen bzw. befürchten. Der Aktie von BYD (CNE100000296) schadet das freilich nicht.
Letztere kann auch ohne Impulse aus der Politik schwer überzeugen. Denn anders als die meisten anderen Autobauer berichtete man zuletzt über rasant steigende Absatzzahlen und tätigte mit der Ankündigung fortgeschrittener autonomer Fahrsystem auch für die Einsteigerklasse nicht weniger als eine Kampfansage an die Konkurrenz. Das treibt auch die Fantasie der Analysten an, deren Kursziele mittlerweile zum Teil schon über 70 Euro liegen. Ganz so weit gehen die Anteilseigner (noch) nicht. Es ging gestern aber um eindrucksvolle 4,4 Prozent auf 46,92 Euro aufwärts. Das ist (wieder einmal) ein frischer Rekord.
Chaotische Zustände
Bisher hat das von Donald Trump ausgelöste Chaos in der Weltpolitik den Märkten noch nicht allzu sehr geschadet. Doch die Einschläge kommen näher und es lässt sich kaum vorhersehen, welchen Knaller die US-Regierung als nächstes zünden mag. Absehbar wird vor allem die Unsicherheit zunehmen, und darauf reagieren Anleger in der Regel allergisch. Einen waschechten Absturz muss man deshalb noch nicht prognostizieren. Dass es eine Neusortierung bei Gewinnern und Verlierern geben könnte, liegt aber absolut im Bereich des Möglichen. So anstrengend es derzeit auch sein mag: Anleger sollten die schnellen Entwicklungen unbedingt im Auge behandeln.
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21.02.2025 - Andreas Göttling-Daxenbichler
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