
Volkswagen hat nichts zu lachen, erneut schlechte Nachrichten für Tesla, kein Grund zum Feiern bei BMW und bei der Porsche AG sieht es noch düsterer aus
Maue Zulassungszahlen und US-Zölle setzen den Autobauern zu
Mit einem radikalen Zollpaket hat US-Präsident Donald Trump die Börsen auf Talfahrt geschickt, ehe er sich in Richtung Florida zur Teilnahme an einem Golfturnier verabschiedete. Die US-Börsen erlebten ihren schwärzesten Tag seit dem Corona-Crash im Jahr 2020. Dabei warnte Trump im Sommer 2024 noch davor, dass die Märkte crashen würden, würde Kamala Harris zur Präsidentin gewählt werden.
Ungeachtet aller Warnungen zieht Trump seinen Kurs durch und schürt Ängste vor einer Rezession. Insbesondere Autohersteller wie Volkswagen (DE0007664039) bekommen das blanke Entsetzen der Börsianer zu spüren. Doch es ist nicht die einzige schlechte Nachricht, mit welcher der Sektor zu kämpfen hat. Dazu gesellten sich auch noch maue Neuzulassungen aus Deutschland. Laut der neuesten Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) gingen die Zahlen im März im Jahresvergleich um 3,9 Prozent auf 253.500 Pkw zurück.
VW war zwar einmal mehr die anteilsstärkste deutsche Marke. Feiern konnten die Anleger darüber aber nicht, da es bei Audi im hohen Tempo abwärtsging. Davon ganz abgesehen dominierten die Sorgen um den US-Markt. Die Volkswagen-Aktie gab gestern um 4,4 Prozent nach und landete bei runden 90 Euro. Das ist der tiefste Schlusskurs seit rund drei Monaten und die zarte Erholung der letzten Monate gerät heftig ins Wanken.
Die Deutschen meiden Tesla
Den stärksten Einbruch bei den Neuzulassungen in Deutschland musste Tesla (US88160R1014) verbuchen. Obschon der E-Auto-Markt im Vergleich zum schwachen Vorjahr im ersten Quartal um 39 Prozent wachsen konnte, purzelten die Absatzzahlen von Tesla hierzulande um satte 62 Prozent in die Tiefe. Überdeutlich macht sich hier das schwer angekratzte, wenn nicht vollkommen vernichtete Image bemerkbar. Elon Musks politische Aktivitäten treffen hierzulande auf ausgesprochen wenig Begeisterung.
Anhaltende Nachrichten über schwache Absatzzahlen gesellen sich zum Zollschock dazu und so stürzte die Tesla-Aktie am Donnerstag um schmerzhafte 5,5 Prozent in Richtung Süden. Per Handelsschluss standen 267,28 US-Dollar auf dem Ticker. Das sind knapp 34 Prozent weniger als noch zu Jahresbeginn. Tesla fertigt seine Fahrzeuge für den US-Markt zwar vor Ort. Zahlreiche Bauteile, welche von Zöllen nicht ausgenommen werden, stammen allerdings aus dem Ausland. Daher werden die US-Zölle auch den Musk-Konzern voraussichtlich hart treffen.
BMW: Ein schwacher Trost
Die Trump-Zölle waren natürlich auch bei der Aktie von BMW (DE0005190003) das beherrschende Thema im Handel am Donnerstag. Da half es auch nicht, dass die bayrischen Motorenwerke die Absatzzahlen in Deutschland im vergangenen Quartal dezent steigern konnte. Die zu erwartenden Rückschläge auf dem gigantischen US-Markt werden dadurch aller Voraussicht nach nicht ausgeglichen werden können und so gingen die dezent positiven Neuigkeiten schlicht vollkommen unter.
Die BMW-Aktie gab sich dem allgemeinen Markttrend hin und musste Abschläge von 3,6 Prozent verdauen, was den ohnehin angeschlagenen Kurs auf 71,12 Euro zurückbeförderte. Die Ende 2024 gestartete Erholung hat sich damit weitgehen erledigt. Die Zugewinne seit den Tiefständen aus dem November reduzierten sich auf nur noch acht Prozent und im 12-Monats-Vergleich sind nun Verluste von 38 Prozent zu beklagen.
Schwarzer Tag für die Porsche AG
Schlechte Neuigkeiten im Doppelpack gab es für die Porsche AG (DE000PAG9113). Um den Sportwagenhersteller sorgen sich die Marktakteure ganz besonders, verfügt er in den USA doch über keinerlei Produktionsstandorte und muss sämtliche Fahrzeuge importieren. Damit steht man vor der Wahl, die Preise erheblich zu erhöhen oder die eigene Marge ein Stück weit zu opfern. Beides dürfte den Anlegen kaum gefallen.
Aus dem Heimatmarkt gab es auch keine erfreulichen Neuigkeiten. Laut KBA gingen die Zulassungszahlen von Porsche um 35 Prozent zurück. Die noch immer angeschlagene Stimmung unter den Verbrauchern schlägt sich hier nieder und teure Sportautos scheinen auf der Prioritätenliste immer weiter nach hinten zu rücken. Im aktuellen Umfeld ergibt sich kaum Aussicht auf schnelle Besserung und so rutschte die Aktie der Porsche AG um drei Prozent auf 44,97 Euro zurück. Zeitweise wurde bei 44,89 Euro sogar schon ein neues 52-Wochen-Tief markiert.
War das nur der Anfang?
Trumps offener Angriff auf den Freihandel hinterlässt schon jetzt tiefe Spuren, doch könnte es noch dicker kommen. Beobachter befürchten schon, dass wir uns in einer Spirale in Richtung Handelskrieg befinden, bei dem Autobauer regelrecht zerrieben werden könnten. Insbesondere deutsche Hersteller haben es schwer. Die Geschäfte schwächeln in China schon seit einer ganzen Weile und nun drohen auch noch in den USA empfindliche Rückgänge. Dass dies in Europa eher nicht aufgefangen werden kann, dafür sind die KBA-Zahlen der beste Beweis. Es riecht im Segment schwer nach Schrumpfkurs.
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04.04.2025 - Andreas Göttling-Daxenbichler
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